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Seit wann gibt es eigentlich Periodenprodukte?

Die Menstruation ist so alt wie die Menschheit selbst. Aber wie war das mit den Hygieneartikeln in den vergangenen Jahrhunderten, als Frau noch nicht einfach im Supermarkt eine Packung industriell hergestellter und keimfrei verpackter Tampons oder Binden passend zur Blutungsstärke kaufen konnte? Oder haben Frauen früher ihre Periode einfach laufen lassen – was heute übrigens als Trend gilt und „Freie Menstruation“ genannt wird? Wir haben uns auf die Suche nach Antworten gemacht.

Wenige historische Hinweise

Das Problem beim Blick zurück auf die Historie der Menstruationsartikel ist die Quellenlage. Zwar sind rund um die Geschichte von Binde, Tampon und Co. viele interessante Artikel in Zeitschriften und im Internet zu finden. So gibt es zum Beispiel auf dem Blog „Miss Jones – Archäologie, Reisen, Abenteuer“ einen sehr unterhaltsamen Beitrag zu diesem Thema – immerhin verfasst von einer studierten Historikerin. Dennoch sind darüber hinaus kaum wirklich aussagekräftige und zitierfähige Quellen zu finden.

Vermutungen darüber, wie Frauen früherer Epochen mit ihrer Periode umgegangen sind, finden sich im Blogartikel von Miss Jones: Hygieneartikel sind meistens aus Textilien oder anderen organischen Materialien. Über Jahrhunderte hinweg mussten alte Lappen, Stoffreste und möglicherweise sogar Moos herhalten, um das Menstruationsblut aufzusaugen. Frau nahm eben, was sie kriegen konnte. Das Problem: Diese Materialien zersetzen sich nach kurzer Zeit und bleiben für die Archäologie daher eher selten erhalten. Klingt plausibel.

Außerdem wurde die Geschichte jahrhundertelang hauptsächlich von Männern geschrieben. Und die hinterließen eher wenige Zeugnisse darüber, wie Frauen mit ihrer Regelblutung umgingen. Archäologische Zufallsfunde sind daher besonders wertvoll.

Steinzeit-Binde aus Schwaben?

Ein solcher Zufallsfund mit Hinweisen auf die Frage, wie lange es bereits Hygieneartikel gibt, ereignete sich vor einigen Jahren in Schwaben. Der älteste Hinweis auf eine Damenbinde stammt aus der Zeit um (grob geschätzt) 3.000 vor Christus. Bei Ausgrabungsarbeiten auf dem Gelände der steinzeitlichen Pfahlbausiedlung in Seekirch-Achwiese – etwa auf halbem Weg zwischen Ulm und Bodensee – stießen Archäologen auf ein interessantes Stück Textilie aus Lindenbast. Es hatte die Jahrtausende dank des feuchten Bodens überdauert. Die Vermutung der Forscher: „Da Lindenbast saugfähig und das etwa acht Zentimeter lange und drei Zentimeter breite Objekt vulvaförmig ist, könnte es sich um eine ,steinzeitliche‘ Damenbinde gehandelt haben“.

Hildegard von Bingen und die Menstruation

Eine frühe weibliche Chronistin zum Thema Menstruation ist Hildegard von Bingen (1098–1179). Die Äbtissin aus der Gegend des heutigen Rheinland-Pfalz trug im Hochmittelalter übliche medizinische Behandlungen zusammen und schrieb sie nieder. Die später heilig gesprochene Adelige gab zum Beispiel Ratschläge zu pflanzlichen Mitteln gegen Menstruationsschmerzen oder starke und lange Regelblutungen – und sie erwähnte auch eine Art mit Arznei bestrichenem Tampon aus Wolle, der zur Behandlung von Geschwüren in der Gebärmutter genutzt wurde. Ob auch Stoff zum Aufsaugen von Menstruationsblut genutzt wurde, wird in den Aufzeichnungen nicht erwähnt.

Das Menstruationsblut galt in dieser Zeit als giftig und unrein, ein Glaube, der sich sogar bis ins 20. Jahrhundert hinein gehalten hat. Vielleicht ist das auch eine Erklärung dafür, warum der Gedanke daran für männliche Geschichtsschreiber des Mittelalters und auch späterer Jahrhunderte kein sonderlich angenehmes Thema war.

Wie wurde die Damenbinde zur Massenware?

Mit der Industrialisierung ergab sich am Ende des 19. Jahrhunderts die Möglichkeit, einfache Artikel wie Damenbinden aus einer Kombination aus Stoff und einem saugfähigen Material günstig und im großen Stil herzustellen. Diese ließen sich entweder auswaschen oder waren bereits Einwegprodukte.

Das war auch deswegen wichtig, weil immer mehr Frauen als Arbeitskräfte gebraucht wurden. Gleichzeitig war eine möglichst gleichmäßige Arbeitsleistung gewünscht – am besten ohne Pausen wegen einer Monatsblutung.

Diverse Unternehmen versuchten sich an unterschiedlichen Binden-Modellen mit zum Beispiel Frottierstoff oder Watte als saugfähigem Material. Die Einwegbinde aus Zellstoff und Watte kam in Deutschland 1926 auf den Markt – begleitet von einer massiven Werbekampagne. Ein Slogan lautete zum Beispiel „Was eine moderne Frau nicht mehr wäscht“. Das Produkt löste in den folgenden Jahren die zuvor gebräuchlichen Stoff- und sogar Strick- und Häkelbinden ab.

Bald war die moderne Einweg-Binde aus dem Leben der weiblichen Bevölkerung nicht mehr wegzudenken. Im Zweiten Weltkrieg wurde ihre Produktion als „kriegswichtig“ eingestuft, um Arbeitsausfälle von Frauen, beispielsweise in der Rüstungsindustrie, zu vermeiden.

Und seit wann gibt es den Tampon?

Wenn wir uns alte Schriften anschauen und dort das Wort „Tampon“ lesen, kann das – wie schon bei den Worten von Hildegard von Bingen – zu Missverständnissen führen. Heute verbinden wir Frauen mit dem Begriff fast automatisch ein Menstruationsprodukt. Doch in der Vergangenheit wurden Tampons eher zu medizinischen Zwecken genutzt.

Die erste schriftliche Erwähnung eines Tampons, der zur Schwangerschaftsverhütung genutzt wurde, stammt aus Ägypten. Sie findet sich im Papyrus Ebers aus der Zeit um 1550 vor Christus. Der Tampon sollte verhindern, dass Spermien in die Gebärmutter gelangen. Als Material wurden weiche Papyrusfasern verwendet. Der griechische Mediziner Hippokrates (460−370 vor Christus), der wohl berühmteste Arzt des Altertums, erwähnt in seinen Werken einen „fruchtabtreibenden Tampon“, der zum Einleiten eines Schwangerschaftsabbruchs verabreicht wurde.

Das Patent für Tampons als Periodenprodukt mit Einführhilfe wurde Anfang der 1930er-Jahre in den USA an Dr. Earle Cleveland Haas erteilt, an einen Arzt aus Denver, Colorado. In den darauffolgenden Jahren startete ein US-amerikanisches Unternehmen den Verkauf in den USA und machte das Produkt massentauglich.

Nachhaltige Periodenartikel – oder „Zurück zu den Anfängen“?

Während vor weniger als 100 Jahren die Einwegperiodenprodukte als absolute Neuerung gefeiert wurden und menstruierende Frauen sich liebend gern das Waschen von Stoffbinden ersparten, erfahren diese heute als nachhaltige Alternative zu Tampons, Einwegbinden und Co. ein Revival. Nun gut, Wäschewaschen ist ja heutzutage auch deutlich weniger aufwendig als damals. Aber unabhängig davon, was unsere (Ur-)Großmütter zur heutigen Stoffbinde oder Produkten wie Menstruationstasse und Periodenunterwäsche gesagt hätten: Ist es nicht schön, dass Frauen heute die Wahl zwischen so vielen unterschiedlichen Periodenprodukten haben?

WEB-01581_DEU-DE Rev.001 (7/22)